Die Endzeitfanatiker von ISIS & Co.

Im Westen wird heute angenommen, dass die Terroranschläge in Paris, Beirut und auf das russische Passagierflugzeug in Ägypten Zeichen einer Schwächung von ISIS wären. Weiter wird vermutet, dass man durch die Attentate den Westen davon abhalten will, sich in Syrien oder im Irak militärisch zu engagieren. Denn dann würden noch weitere Anschläge drohen… Was aber wenn ISIS das militärische Engagement des Westens und Russlands in Syrien genau beabsichtigt?

Einstellung zu Krieg und Intervention

Das Ziel des „Islamischen Staats“ scheint zu sein, europäische Interventionstruppen in einen langen Abnutzungskrieg zu zwingen, wohl wissend, dass die öffentliche Meinung in den westlichen Demokratien die Bilder von gefallenen Soldaten und den Schrecken des Krieges nicht dauerhaft ertragen wird und – ähnlich wie 1994 in Somalia oder zehn Jahre zuvor im Libanon – die Soldaten wieder abzieht. Um das zu verhindern, muss sich vornehmlich die Einstellung der Menschen in Deutschland, Frankreich oder Italien ändern. Denn es wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein langer Krieg werden. Wir erinnern uns: Bereits 1998 hat Osama bin Laden den USA und dem Westen insgesamt den Krieg geklärt. Wenn wir uns die „Fortschritte“ seitdem ansehen, müssen wir ernüchtert feststellen, dass sich die Lage in den 17 Jahren eher verschlechtert hat. Niemals zuvor konnte sich eine Terrorgruppe einen eigenen Staat erkämpfen.

Demokratien und langfristige Ziele

Eine Regierung ist immer abhängig von der öffentlichen Meinung, ebenso gehört es zu den Tatsachen des politischen Alltags, dass Politiker wiedergewählt werden wollen. Dies stellt ja gerade im politischen Handeln sicher, dass die Interessen der Wähler Berücksichtigung finden. Nur wenn eine Gesellschaft zusammenrückt und sich bereit erklärt, alle Strapazen, Unwägbarkeiten und Einschränkungen auf sich zu nehmen, um dem Terror ein Ende zu bereiten, wird der „Islamische Staat“ besiegt werden. Ein Sieg ist möglich, wenn die Bürger Europas in dieser Frage zusammenstehen. Nichts anderes konnte Winston Churchill in seiner berühmten Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede seinen Landsleuten anbieten und er hat recht behalten. Gehen jedoch Tausende gegen einen Militäreinsatz oder geheimdienstliche Maßnahmen auf die Straße, erhöht sich der Druck auf die politisch Verantwortlichen, die  um ihre Wiederwahl fürchten. Und dann kommt es zumeist zu kurzsichtigen Lösungen, die sich später als nicht nachhaltig herausstellen. Denn langfristig würde ein Aufgeben des Nahen Ostens den Krieg auch nach Europa tragen (und zwar in einem erheblich größeren Rahmen als es derzeit der Fall ist). Appeasement-Politik gegenüber militanten Islamisten kann niemals der richtige Weg oder das „kleinere Übel“ sein.

Europa und der Islamismus

Beim „Islamischen Staat“ handelt es sich unzweifelhaft um Häretiker, deren Lehren nichts mit dem Islam zu tun haben. Keine Religion dieser Erde rechtfertigt das Töten unschuldiger Menschen. Vielmehr handelt es sich um eine psychotische Sekte, die an das Ende der Welt glaubt und hofft, dass die letzte Schlacht zwischen Gut und Böse in Syrien bereits begonnen hat. Sie sind damit die Apokalyptiker unter den Terrororganisationen, deren ganzen Tun auf einen verheißenen „Endsieg“ abzielt – eine Welt ohne Ungläubige… Natürlich ist ihr Kalkül in dieser Auseinandersetzung, dass sich die westlichen Demokratien und ihre moslemischen Minderheiten in einem unversöhnlichen Antagonismus gegenüberstünden. Dabei kolportieren sie sehr geschickt Ängste vor einer „fünften Kolonne. Das Erstarken von rechtspopulistischen Parteien nützt ihnen in ihrer Agitation. Gleichzeitig ziehen die Terroristen seit Jahren gescheiterte Existenzen oder naive Abenteurer aus dem Westen geradezu magisch an. Viele dieser Kämpfer sind mittlerweile aus dem Kriegsgebiet wieder in die Europäische Union zurückgekehrt. Es findet also ein Re-Import des Terrors statt, von dem ein außerordentlich hohes Bedrohungspotential ausgeht.

Bildung einer internationalen Koalition

In gewisser Weise entspricht der Westen – falls er wirklich Bodentruppen entsendet – den Wünschen von vielen radikalen Islamisten. Nichtsdestotrotz wird nichts anderes übrig bleiben, als das Spiel mitzuspielen. Doch sollte unbedingt vermieden werden, mit einer Armee aus überwiegend christlich geprägten Staaten im Nahen Osten einzugreifen. Der Westen muss eine internationale Koalition schmieden, in der auf jeden Fall auch muslimische Staaten (wie Jordanien, Marokko, Ägypten, Albanien oder die Türkei) beteiligt sein müssen. Jordanien oder die Türkei sind bereits heute im Kampf gegen ISIS in Syrien involviert, während Ägypten die Terrorgruppe in Libyen bekämpft. Viele Staaten des Nahen Ostens haben ein vitales Interesse, das Gespenst des „Islamischen Staats“ endgültig zu bannen. Schließlich waren ihre Bürger am häufigsten Ziel von Anschlägen islamistischer Terrortruppen.

Hinterlasse einen Kommentar